Donnerstag, 6. Juli 2017

"Alles ist Schwingung!" Esoterischer Schwachsinn?

Wer kennt nicht den Ausdruck "Alles ist Schwingung"? Diese Idee ist nicht etwa eine Erfindungen der heutigen Esoterik, sondern ein Konzept, das bis an den Beginn unserer Zivilisation zurückreicht. Das beginnt spätestens beim biblischen Ausspruch "Am Anfang war das Wort", denn was ist ein gesprochenes Wort anderes als Schwingung? Dieses "Wort" findet im Hinduismus sein Pendant im Ton Om, aus dessen Vibration das ganze Universum besteht. Ausgedrückt ist das nicht zuletzt durch den Schöpfergott Krishna, der meistens seine Flöte spielend abgebildet wird, aber auch durch das Horn des Heimdall in der nordischen Mythologie. Diese Vibration des Seins ist dabei identisch mit dem "Brahman", dem unendlichen göttlichen Geist. Genauso ist es aber auch beim christlichen "Wort", denn gemeint ist das griechische Wort "Logos", was ebenso für den göttlichen Geist steht. Wir sehen also nicht nur, dass die Existenz schon immer als Bewusstsein beschrieben wurde, sondern auch als Schwingung. In diesem Beitrag zeige ich, wie die Religionen der Wissenschaft um Jahrtausende zuvorkam!

Ja welche Frequenz denn?

Wenn jetzt jemand fragt, was das für eine Frequenz sein soll, aus der angeblich das Sein besteht, und welches Messgerät er aus dem Baumarkt holen muss, um sie zu messen, dann wird er enttäuscht sein. Vielleicht ist es so wie beim Begriff Urknall: es ist kein Knall im Raum, sondern die Entstehung des Raumes selbst! Wenn jemand mit einem Schallmessgerät den Raum messen will, dann wird er Pech haben. So ist auch die ominöse Frequenz keine Frequenz IN unserer Welt, sondern eine Charakterisierung der Welt selbst. Und das macht erst dann Sinn, wenn wir außer unserer Welt noch weitere Welten annehmen, und man deren Qualität  jeweils durch unterschiedliche Frequenzen voneinander unterscheidet. Wenn natürlich jemand meint, dass unser Universum alles ist was existiert, dann ist klar, dass das alles keinen Sinn ergibt. Temperatur macht auch nur Sinn, wenn ich davon ausgehe, dass es unterschiedliche Temperaturen geben kann, und Ton macht nur Sinn, wenn es höhere und tiefere Töne gibt etc. Das versteht man leicht anhand der...

Aggregatzustand-Analogie

Nach dieser Analogie wäre unsere materielle Welt wie Eiswürfel, andere Welten eher wie Wasser, andere eher wie Wasserdampf. Dadurch soll die Trägheit und Dichte der Materie zum Ausdruck kommen. Mit dieser Trägheit ist auch gemeint, wie schnell die Umgebung auf unser eigenes Bewusstsein reagiert. Und wie wir wissen, kümmert sich die Materie herzlich wenig um unser Bewusstsein. Das extreme Gegenbeispiel erleben wir in unseren eigenen Träumen, in denen die Umgebung und unsere Gedanken identisch zusammenfallen, und sich jede Vorstellung sofort realisiert. Interessanterweise beschreiben channelings (etwa jenseits-de.com) genau so die jenseitigen Welten, in denen sich die Bewohner nach dem Tod offenbar erst mit der Tatsache zurechtfinden müssen, dass sich Gedanken schneller manifestieren als bisher.

Die Seinsstufen, die seit jeher in den Religionen der Welt beschrieben wurden, unterscheiden sich in eben dieser Qualität:

Die Himmelsebenen der Religionen

Sie wurden meist als ein Modell aus vertikalen Schichten dargestellt, das sind 7 Himmel im Christentum, 7 Shamayim im jüdischen Talmud, 7 Lokas im Hinduismus, 7 samaawat im Islam, 9 Bereiche nach der nordischen Mythologie, 13 Ebenen nach den Maya, und noch mehr im Buddhismus. Die Zahlen sind aber unerheblich. Und diese Welten befinden sich auch nicht wirklich räumlich höher oder niedriger, auch wenn sie oft als "Hochhausmodell" dargestellt wurden. Aber deshalb ist ja der Begriff Frequenz so passend, da ja auch höhere und niedrigere Frequenzen nichts räumliches meinen und sich im selben Raum befinden können.

Genauso seien, so meinen die alten Schriften, die "Himmel" nicht räumlich getrennt, sondern definieren sich eher dadurch, welche Qualität das Bewusstsein annimmt. Hier bietet sich die Analogie an, in der der Mensch mit einem Radioempfänger verglichen wird, der das wahrnimmt, worauf er gerade ausgerichtet ist. In dem Zusammenhang sind Diskussionen unter Christen zu verstehen, "wo" denn das Paradies sei (es ist an keinem bestimmten Ort), und genauso erklärt ein Philosophieprofessor, dass Platons Ideenwelt nicht "irgendwo" ist, sondern von unserer eigenen Wahrnehmung abhängt.

Bewusstseins-Schwingung.... die "Schwingen der Seele"

fallende Engel
Nach heutiger Terminologie würden manche sagen, dass Bewusstsein sich in die materielle Welt begibt, indem es seine "Schwingung reduziert". Das hat eine interessante Parallele in der Religion, wonach die Seele "die Schwingen verliert". Diese Idee der "gefallenen Engel" findet sich beim spätantiken Philosophen Plotinus, dem bekanntesten Neuplatoniker:

"Da widerfährt es der Seele denn auch, dass sie, wie es heisst, die Schwingen verliert und in die Fesseln des Körpers geräth, nachdem sie sich verirrt hat aus dem Zustande der Unversehrtheit, in welchem sie sich als Gesammtseele hielt. So ist sie denn gefangen, gefallen."
- Aus den Enneaden des Plotin (Q

Diese Ideen prägten das spätere Christentum entscheidend mit. Nicht nur sind Schwingen und Schwingung natürlich Abwandlungen des selben Wortes, man kann sie in der religiösen Kosmologie austauschbar verwenden. Dabei ist interessant, dass die Seraphim mit 6 Flügeln dargestellt werden, die niedrigeren Cherubim haben noch 4, die Engel noch 2, und die Menschen keine mehr. Auch so kann man eine Schwingungsreduktion veranschaulichen!

Zwischen Religion und Wissenschaft

"Die Musik der Sphären",
Robert Fludd, 1617
Eine witzige Darstellung rund um das Thema Frequenz ist diese hier von 1617: "The music of the spheres" (die "Musik der Sphären") von R. Fludd. Diese alchemistische Zeichnung stellt verschiedene Seinszustände dar, die, wie damals üblich, mit verschiedenen Elementen und Himmelssphären assoziiert werden. Diese sind übereinander gereiht wie auf einem Thermometer, nur dass es eigentlich eine Art von Griffbrett eines Instrumentes ist, und oben kommt aus der Wolke die "Hand Gottes" und dreht an dem Knubbel um die Saite zu justieren. Sehr kreativ!

Es wird also ein Weltbild dargestellt, in dem sich verschiedene Stoffe, Formen und Welten aus Schwingungen unterschiedlicher Höhe ergeben! Und das in einer Zeit, wo die Wissenschaft mit Galileo erst vorsichtige Schritte machte, und Isaac Newton noch gar nicht geboren war. Und wie sieht das die moderne Physik? Teilchen-Physiker Harry Cliff vom CERN erklärt die 350 Jahre später entwickelte string theory so:
Eine der vielversprechendsten Kandidaten für eine einheitliche Theorie ist die String Theorie. Wenn man sich ein Teilchen von Materie genau anschaut, bemerkt man, dass es gar kein Teilchen ist, sondern winzige vibrierende "strings" aus Energie, wobei jede Frequenz von Vibration einem anderen Materieteilchen entspricht, ein bisschen so wie die verschiedene Noten auf einer Gitarrenseite. (Q)
Ja sowas! D.h. je nachdem welche Frequenz diese "strings" annehmen, entsteht ein anderes Atom, und ein anderer Stoff! Offenbar ist das aber eine Idee, die schon vor langer Zeit intuitiv erfasst wurde, und das, obwohl sie eigentlich alles andere als intuitiv ist.

Manche meinen ja, die Esoteriker sollen der Wissenschaft nicht ihre Begriffe stehlen, darüber habe ich ja schon geschrieben. Vielmehr erscheint es aber so, als wäre die Wissenschaft Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zu spät. "Alles was existiert - das gesamte Universum - vibriert weil es aus dem Brahman hervorgegangen ist", ist im Katha Upanishad zu lesen - 500 vor Christus. (Q) Und auch die Gnostiker bezeichneten die Schöpfung als aus Klang bestehend! (QDas eigentliche Rätsel ist also genau umgekehrt: wie kann es sein, dass die Wissenschaft das bestätigt, was schon auf vergammelten Papyri steht. Die Physiker hätten ja auch auf ein völlig anderes Ergebnisse kommen können... z.B dass die Existenz eben NICHT Schwingung ist. Stattdessen entdeckt Einstein, dass Materie nur eine Erscheinungsform aus Energie ist, und die Quantenphysiker meinen, dass jedes Teilchen das Ergebnis einer kollabierenden "Wahrscheinlichkeitswelle" ist, sobald wir damit interagieren.

Newton machte die Welt zu Materie, nur um durch Einstein wieder zu Energie gemacht zu werden. Die Menschen schlingern fröhlich herum zwischen Weltbildern aus Bewusstsein, Materie und Energie. Die Verwirrung ist bei manchen so groß, dass sie Aussprüche wie "Alles ist Energie" reflexhaft als Schwachsinn empfinden, und vergessen dabei, dass das der aktuelle Stand der Wissenschaft ist. Absurd.

Geist, Materie oder Energie - ja was nun?

Die "Endstation" der Reise ist - wenn man mich fragt - aber völlig klar: es gibt gar keinen Unterschied zwischen Bewusstsein, Materie und Energie, sondern es sind verschiedene Audrucksformen des Einen. DAS ist das eigentliche Geheimnis!